Wenn Ihre US-Steueransässigkeit erst im Laufe eines Kalenderjahres beginnt, sind Sie in diesem Jahr grundsätzlich zunächst Nonresident Alien und anschließend Resident Alien. Dieses Jahr wird als Dual-Status-Jahr bezeichnet.
Für verheiratete Zuzügler kann daneben eine zweite Möglichkeit bestehen: Unter den Voraussetzungen des § 6013(h) IRC können Ehegatten wählen, für die US-Bundeseinkommensteuer für das gesamte Kalenderjahr als Residents behandelt zu werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Welche Variante führt zur niedrigeren US-Steuer? Vor der Wahl muss geklärt werden, was im gesamten Kalenderjahr bereits in Deutschland passiert ist.
Was bedeutet Dual Status?
Dual Status bedeutet, dass Sie innerhalb desselben Steuerjahres zwei unterschiedliche US-Steuerstatus haben: einen Zeitraum als Nonresident Alien und einen Zeitraum als Resident Alien.
Für diese beiden Zeiträume gelten unterschiedliche Regeln. Während der Resident-Phase unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Bundeseinkommensteuer. Für die Nonresident-Phase werden ausländische Einkünfte dagegen grundsätzlich nicht allein deshalb steuerpflichtig, weil Sie später im selben Kalenderjahr US-Resident werden.
Ihre Residency Starting Date ist der 15. September.
Das Kalenderjahr wird zunächst in eine Nonresident-Phase vom 1. Januar bis 14. September und eine Resident-Phase ab dem 15. September geteilt.
Welche Einkünfte in den USA steuerlich erfasst werden, muss für beide Zeiträume nach den jeweils geltenden Regeln bestimmt werden.
Welche Einschränkungen hat eine Dual-Status-Erklärung?
Eine Dual-Status-Erklärung ist nicht einfach eine normale Form 1040, bei der lediglich einige Monate fehlen. Für Dual-Status-Taxpayer gelten besondere Regeln.
Wer am Jahresende US-Resident ist, reicht grundsätzlich Form 1040 als Dual-Status Return ein und fügt eine Aufstellung für die Nonresident-Phase bei. Dafür kann Form 1040-NR als Dual-Status Statement verwendet werden.
Zu den wichtigen Einschränkungen gehört, dass ein Dual-Status-Taxpayer grundsätzlich keine Standard Deduction beanspruchen kann. Auch eine normale gemeinsame Veranlagung als Married Filing Jointly ist grundsätzlich nicht möglich, solange keine dafür vorgesehene Election getroffen wird.
Genau deshalb kann die Ganzjahresbehandlung auf den ersten Blick attraktiv sein.
Was verändert die Ganzjahreswahl nach § 6013(h) IRC?
§ 6013(h) IRC betrifft insbesondere den Fall, dass eine Person zu Beginn des Steuerjahres Nonresident Alien war, am Ende des Jahres aber US-Resident ist und am Jahresende mit einem US-Citizen oder US-Resident verheiratet ist.
Treffen beide Ehegatten die vorgesehene Wahl, wird die betroffene Person für Zwecke der US-Bundeseinkommensteuer grundsätzlich für das gesamte Kalenderjahr als Resident behandelt. Dadurch kann eine gemeinsame US-Einkommensteuererklärung möglich werden.
Die besonderen Einschränkungen einer Dual-Status-Erklärung gelten für diese gemeinsame Einkommensteuererklärung dann grundsätzlich nicht in derselben Weise. Damit kann beispielsweise auch die Standard Deduction verfügbar werden, wenn deren übrige Voraussetzungen erfüllt sind.
| Frage | Dual Status | Ganzjahreswahl |
|---|---|---|
| Steuerstatus im Zuzugsjahr | Nonresident- und Resident-Phase | Für die Bundeseinkommensteuer grundsätzlich Resident für das gesamte Jahr |
| Gemeinsame Veranlagung | Grundsätzlich nicht | Gemeinsame Veranlagung möglich |
| Standard Deduction | Grundsätzlich nicht verfügbar | Kann bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen verfügbar sein |
| Ausländisches Einkommen vor der Residency Starting Date | Nach den Regeln der Nonresident-Phase abzugrenzen | Grundsätzlich Teil des weltweiten Einkommens des Wahljahres |
Was ist der Preis der Ganzjahresbehandlung?
Die Ganzjahreswahl verändert nicht nur den Filing Status oder die Höhe eines Abzugs. Für die US-Bundeseinkommensteuer wird grundsätzlich das weltweite Einkommen des gesamten Kalenderjahres relevant.
Damit können auch deutsche Einkünfte und Vorgänge aus der Zeit vor der eigentlichen Residency Starting Date in die US-Steuerbetrachtung gelangen.
Das betrifft nicht nur laufendes Einkommen. Auch ein bereits abgeschlossener Vorgang kann durch die spätere Entscheidung über das erste US-Steuerjahr wieder relevant werden.
Sie verkaufen im Januar Ihr bisheriges Eigenheim in Deutschland. Der Verkauf wird in Deutschland steuerlich geprüft und ist dort steuerfrei.
Im September beginnt Ihre US-Steueransässigkeit. Bei der Vorbereitung Ihrer ersten US-Steuererklärung zeigt sich, dass eine gemeinsame Ganzjahresbehandlung für Sie in Betracht kommt.
Mit der Ganzjahreswahl muss auch der Hausverkauf aus dem Januar für die US-Einkommensteuer geprüft werden. Dass der Vorgang in Deutschland steuerfrei war, beantwortet die US-steuerliche Behandlung nicht.
Dasselbe Grundproblem kann bei deutschen Ausschüttungen, Zinsen, Mieteinnahmen oder Veräußerungsvorgängen entstehen, die vor dem eigentlichen Zuzug stattgefunden haben.
Deshalb reicht der Vergleich der beiden US-Steuerbeträge nicht aus
Eine Berechnung kann zeigen, dass Married Filing Jointly gegenüber einer Dual-Status-Erklärung unmittelbar günstiger erscheint. Das allein beantwortet die Entscheidung aber noch nicht.
Zuerst muss feststehen, welche zusätzlichen deutschen Einkünfte und Vorgänge durch die Ganzjahresbehandlung in die US-Einkommensteuerbetrachtung gelangen und wie diese nach US-Recht behandelt werden.
Auch tatsächlich gezahlte deutsche Steuern können relevant sein, weil erst anschließend beurteilt werden kann, ob und in welchem Umfang beispielsweise eine US-Anrechnung ausländischer Einkommensteuer zur Verfügung steht.
Verglichen werden müssen die vollständigen Folgen beider Varianten. Eine niedrigere Steuer auf das bereits bekannte US-Einkommen kann durch zusätzliche deutsche Einkünfte oder Transaktionen im selben Kalenderjahr ein anderes Gesamtbild ergeben.
Ganzjahreswahl bedeutet nicht automatisch dieselbe Behandlung für jede Meldepflicht
Die Wahl nach § 6013(h) IRC behandelt den betroffenen Ehegatten für Zwecke der US-Bundeseinkommensteuer für das gesamte Jahr als Resident. Daraus sollte aber nicht geschlossen werden, dass jede eigenständige US-Meldepflicht automatisch denselben Zeitraum verwendet.
Bei Form 8938 kann eine Election zur Behandlung als Resident für eine gemeinsame Einkommensteuererklärung relevant sein. Die Form-8938-Regeln behandeln auch einen Nonresident Alien, der eine solche Election trifft, als „specified individual", sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.
Für den FBAR gilt dagegen eine andere Regel: Bei der Bestimmung der US-Residency für FBAR-Zwecke wird eine Election nach § 6013(g) oder § 6013(h) ausdrücklich nicht berücksichtigt.
„Für die Einkommensteuer ganzjähriger Resident" bedeutet deshalb nicht automatisch „für jede US-Meldung rückwirkend ganzjähriger Resident". Die jeweilige Meldepflicht muss nach ihren eigenen Regeln geprüft werden.
Ist § 6013(g) dasselbe wie § 6013(h)?
Nein. Beide Regeln können zu einer gemeinsamen Einkommensteuererklärung mit Resident-Behandlung führen, betreffen aber unterschiedliche Ausgangssituationen.
§ 6013(h) IRC betrifft das Jahr, in dem ein Nonresident Alien während des Jahres selbst zum US-Resident wird und am Jahresende mit einem US-Citizen oder Resident verheiratet ist.
§ 6013(g) IRC betrifft dagegen insbesondere einen Ehegatten, der am Jahresende weiterhin Nonresident Alien ist und mit einem US-Citizen oder Resident verheiratet ist. Die Dauer und Beendigung dieser Election folgen eigenen Regeln.
Für die Frage „Dual Status oder Ganzjahresbehandlung im Zuzugsjahr?" ist deshalb zunächst zu bestimmen, welche Election für die konkrete Ehegattenkonstellation überhaupt einschlägig ist.
Was muss vor der Entscheidung bekannt sein?
Bevor die Ganzjahreswahl getroffen wird, sollte das gesamte Kalenderjahr betrachtet werden – nicht nur der Zeitraum nach dem Umzug.
Feststehen sollten insbesondere die Residency Starting Date beider Ehegatten, sämtliche wesentlichen Einkünfte seit dem 1. Januar, größere Veräußerungen und Ausschüttungen sowie die darauf tatsächlich gezahlten ausländischen Steuern.
Erst danach lässt sich sinnvoll vergleichen, welche steuerlichen Folgen Dual Status und Ganzjahresbehandlung jeweils für den konkreten Fall haben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Ist Married Filing Jointly günstiger?" Sondern: „Was verändert diese Wahl in meinem gesamten Kalenderjahr – und ist sie danach immer noch günstiger?"