Das E-2-Visum legt nicht fest, ab wann Sie in den USA als steuerlicher Resident gelten. Für die US-Bundeseinkommensteuer ist bei E-2-Inhabern regelmäßig der Substantial Presence Test nach IRC § 7701(b) entscheidend. Er knüpft an Ihre tatsächliche Anwesenheit in den USA an.
Das ist besonders im Zuzugsjahr wichtig: Wenn Sie den Test erfüllen, kann Ihre US-Steueransässigkeit bereits an einem früheren Aufenthaltstag im selben Kalenderjahr beginnen – nicht erst an dem Tag, an dem Sie die 183-Tage-Grenze rechnerisch erreichen.
Das E-2-Visum entscheidet nicht über Ihren Steuerstatus
Aufenthaltsrecht und Steuerrecht beantworten zwei unterschiedliche Fragen. Das E-2-Visum bestimmt Ihren aufenthaltsrechtlichen Status. Für die US-Einkommensteuer unterscheidet das US-Steuerrecht dagegen insbesondere zwischen Resident Aliens und Nonresident Aliens.
Das E-2-Visum gehört nicht zu den Kategorien, deren Aufenthaltstage allein aufgrund des Visumstatus als „exempt individual" vom Substantial Presence Test ausgenommen werden. Deshalb zählen Tage, an denen Sie sich mit E-2-Status tatsächlich in den USA aufhalten, grundsätzlich mit – soweit keine andere gesetzliche Ausnahme greift.
Wie funktioniert der Substantial Presence Test?
Sie erfüllen den Substantial Presence Test grundsätzlich, wenn zwei Voraussetzungen zusammenkommen: Sie waren im laufenden Kalenderjahr mindestens 31 Tage tatsächlich in den USA und erreichen über das laufende Jahr und die beiden Vorjahre mindestens 183 gewichtete Aufenthaltstage.
| Zeitraum | Gewichtung |
|---|---|
| Laufendes Kalenderjahr | 100 % der Aufenthaltstage |
| Vorjahr | 1/3 der Aufenthaltstage |
| Zweites Vorjahr | 1/6 der Aufenthaltstage |
Deshalb können auch Reisen aus den Jahren vor dem eigentlichen Umzug noch eine Rolle spielen.
Sie waren in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils 120 Tage in den USA.
Für das laufende Jahr zählen 120 Tage, aus dem Vorjahr 40 Tage und aus dem zweiten Vorjahr 20 Tage.
Das ergibt 180 gewichtete Tage. Die Grenze von 183 Tagen ist in diesem Beispiel noch nicht erreicht.
Ab welchem Tag beginnt die US-Steueransässigkeit?
Hier liegt eine wichtige Besonderheit: Die Residency Starting Date ist bei erfülltem Substantial Presence Test grundsätzlich nicht der Tag, an dem Sie rechnerisch den 183. gewichteten Tag erreichen.
Erfüllen Sie den Test für das Kalenderjahr, beginnt Ihre US-Steueransässigkeit grundsätzlich mit dem ersten Tag, an dem Sie in diesem Kalenderjahr in den USA anwesend waren.
Sie reisen vom 15. bis 18. Januar für Geschäftstermine in die USA. Am 1. Juni ziehen Sie mit E-2 in die USA und bleiben für den Rest des Jahres.
Wenn Sie dadurch den Substantial Presence Test erfüllen, ist Ihre Residency Starting Date nach der Grundregel nicht der 1. Juni und auch nicht der Tag, an dem Sie die 183-Tage-Grenze erreichen. Ausgangspunkt ist bereits Ihre erste Anwesenheit im Januar.
Für kurze Aufenthalte zu Beginn des Jahres gibt es allerdings eine begrenzte Ausnahme. Deshalb muss gerade bei vorbereitenden Reisen geprüft werden, ob diese für die Residency Starting Date tatsächlich berücksichtigt werden.
Können Reisen vor dem eigentlichen Umzug zählen?
Grundsätzlich ja. Für den Substantial Presence Test gilt ein Tag regelmäßig bereits dann als Anwesenheitstag, wenn Sie sich während irgendeines Teils dieses Tages physisch in den USA befinden.
Damit können auch Reisen zählen, die aus Ihrer Sicht noch gar nicht zum „Umzug" gehörten – zum Beispiel Geschäftstermine, Standortsuche oder andere vorbereitende Aufenthalte.
Das Gesetz kennt allerdings bestimmte Ausnahmen von der Tageszählung, etwa für bestimmte Transitaufenthalte, medizinisch bedingte Fälle oder gesetzlich definierte exempt individuals. Deshalb sollte nicht allein anhand der Ein- und Ausreisestempel addiert werden, ohne die einzelnen Aufenthalte einzuordnen.
Für die Bestimmung der Residency Starting Date können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu zehn Anwesenheitstage unberücksichtigt bleiben, wenn während dieser Tage ein ausländisches Tax Home und eine engere Verbindung zum Ausland bestanden. Diese Tage zählen trotzdem für die Berechnung des Substantial Presence Test. Für die Ausnahme ist außerdem eine entsprechende Erklärung gegenüber dem IRS erforderlich.
Kann ich trotz erfülltem Substantial Presence Test Nonresident bleiben?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Closer Connection Exception verhindern, dass Sie trotz rechnerisch erfülltem Substantial Presence Test als US-Resident behandelt werden.
Dafür müssen mehrere Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. Unter anderem müssen Sie im laufenden Jahr weniger als 183 Tage tatsächlich in den USA gewesen sein, während des gesamten Jahres ein Tax Home im Ausland unterhalten und eine engere Verbindung zu diesem ausländischen Staat als zu den USA haben. Bestimmte Schritte in Richtung einer Green Card können die Ausnahme ausschließen.
Die Closer Connection Exception wird grundsätzlich mit Form 8840 gegenüber dem IRS geltend gemacht.
Diese Ausnahme ist nicht dasselbe wie die begrenzte 10-Tage-Regel für die Residency Starting Date: Die eine kann den Resident-Status für das betreffende Jahr verhindern, die andere verändert unter bestimmten Voraussetzungen lediglich den Beginn einer bereits bestehenden US-Residency.
Warum ist der genaue Beginn so wichtig?
Ab Ihrer US-Steueransässigkeit unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Einkommensteuer. Damit können auch Einkünfte und Vorgänge aus Deutschland in die US-Steuerbetrachtung gelangen.
Der genaue Starttag kann deshalb darüber entscheiden, ob beispielsweise eine deutsche Ausschüttung, Mieteinnahmen oder ein Veräußerungsvorgang vor oder nach Beginn Ihrer US-Residency liegt. Auch bestehende deutsche Konten, Depots und weitere Vermögenswerte können ab diesem Zeitpunkt zusätzliche US-Fragen auslösen.
Weitere Wahlrechte, Abkommensregeln oder besondere Meldevorschriften können das Ergebnis im Einzelfall verändern. Die Residency Starting Date ist deshalb der Ausgangspunkt der Prüfung – nicht bereits deren vollständiges Ergebnis.
Was sollten Sie vor Ihrer ersten US-Steuererklärung festhalten?
Rekonstruieren Sie nicht erst bei Erstellung der Steuererklärung, wann Sie tatsächlich in den USA waren. Für das erste US-Steuerjahr sollten die Aufenthaltstage des laufenden Jahres und der beiden Vorjahre nachvollziehbar dokumentiert sein.
Zusätzlich sollte feststehen, welche deutschen Einkünfte und wesentlichen Vermögensvorgänge rund um die mögliche Residency Starting Date stattgefunden haben. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Folgen der Beginn Ihrer US-Steueransässigkeit tatsächlich auslöst.
Für einen E-2-Investor lautet die erste steuerliche Frage deshalb nicht nur: „Wann bin ich in die USA umgezogen?" Entscheidend ist: „Welche Aufenthaltstage zählen – und welche Residency Starting Date folgt daraus?"