Mit einer Green Card erfüllen Sie grundsätzlich den Green Card Test nach IRC § 7701(b) und gelten für die US-Bundeseinkommensteuer als Resident Alien. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Sie bereits ab dem 1. Januar des betreffenden Jahres als US-Resident behandelt werden.
Gerade im ersten Jahr sind zwei Fragen voneinander zu trennen: Erfülle ich den Green Card Test? und ab welchem Tag beginnt meine US-Residency? Für die zweite Frage ist die sogenannte Residency Starting Date entscheidend.
Green Card Test und Residency Starting Date sind nicht dasselbe
Der Green Card Test beantwortet zunächst Ihren steuerlichen Status. Wenn Sie während des Kalenderjahres Lawful Permanent Resident der USA sind, erfüllen Sie grundsätzlich diesen Test.
Im ersten Jahr der US-Residency muss anschließend bestimmt werden, ab welchem Tag Sie innerhalb dieses Kalenderjahres als Resident behandelt werden. Waren Sie im Vorjahr noch kein US-Resident, beginnt die US-Besteuerung deshalb nicht allein aufgrund der Green Card automatisch rückwirkend am 1. Januar.
„Ich habe im September eine Green Card“ beantwortet den steuerlichen Status. Für die erste US-Steuererklärung muss zusätzlich geklärt werden, welche Residency Starting Date daraus für das Kalenderjahr folgt.
Wann beginnt die Residency bei einer im Ausland erhaltenen Green Card?
Wenn Sie Ihre Green Card beziehungsweise Ihren Permanent-Resident-Status im Rahmen des Verfahrens außerhalb der USA erhalten, ist für die steuerliche Residency Starting Date grundsätzlich der erste Tag Ihrer anschließenden physischen Anwesenheit in den USA maßgeblich.
Sie schließen Ihr Green-Card-Verfahren in Deutschland ab und reisen am 15. September in die USA ein.
Wenn Sie im betreffenden Jahr nicht bereits aufgrund einer anderen Regel als US-Resident gelten, beginnt Ihre US-Residency grundsätzlich am 15. September.
Der Zeitraum vom 1. Januar bis 14. September wird dadurch nicht automatisch zu einem Resident-Zeitraum.
Damit kann im Zuzugsjahr zunächst ein Kalenderjahr entstehen, in dem Sie einen Teil des Jahres Nonresident Alien und den späteren Teil Resident Alien sind.
Was gilt bei einer Green Card innerhalb der USA?
Wird der Lawful-Permanent-Resident-Status während eines Aufenthalts in den USA erlangt, beginnt die Residency nach der Green-Card-Regel grundsätzlich mit dem ersten Tag, an dem Sie sich in den USA als Lawful Permanent Resident befinden.
Wenn Sie sich an dem Tag, an dem USCIS Ihren Permanent-Resident-Status genehmigt, bereits in den USA befinden, ist deshalb grundsätzlich dieser Tag für die Green-Card-Starting-Date relevant.
Auch hier muss aber geprüft werden, ob nicht bereits eine andere Residency-Regel zu einem früheren Beginn geführt hat.
Kann die US-Steuerpflicht schon vor der Green Card begonnen haben?
Ja. Green Card Test und Substantial Presence Test können im selben Kalenderjahr nebeneinander relevant sein.
Erfüllen Sie in diesem Jahr beide Tests, ist für die Residency Starting Date grundsätzlich die frühere der beiden maßgeblichen Daten entscheidend:
- die Residency Starting Date nach dem Substantial Presence Test oder
- der erste Tag, an dem Sie sich als Lawful Permanent Resident in den USA befinden.
Sie halten sich bereits über längere Zeit in den USA auf und erfüllen dadurch im laufenden Jahr den Substantial Presence Test. Erst einige Monate später erhalten Sie Ihre Green Card.
Dann beginnt Ihre steuerliche Residency nicht zwingend erst mit der Green Card. Wenn die Starting Date nach dem Substantial Presence Test früher liegt, ist grundsätzlich dieses frühere Datum maßgeblich.
Deshalb reicht es auch bei einem Green-Card-Zuzug nicht immer aus, nur das Datum der Green Card beziehungsweise der Einreise zu kennen. Frühere US-Aufenthalte im selben Jahr können steuerlich relevant sein.
Ist das erste Green-Card-Jahr automatisch ein volles US-Steuerjahr?
Nein. Wird jemand erst während des Kalenderjahres US-Resident, kann zunächst ein Dual-Status-Jahr entstehen.
Sie sind dann im selben Kalenderjahr für einen Zeitraum Nonresident Alien und für den späteren Zeitraum Resident Alien. Für diese beiden Zeiträume gelten unterschiedliche US-Einkommensteuerregeln.
| Zeitraum | Grundsätzliche steuerliche Einordnung |
|---|---|
| Vor der Residency Starting Date | Nonresident-Phase |
| Ab der Residency Starting Date | Resident-Phase |
Während der Resident-Phase unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Bundeseinkommensteuer. Deshalb ist der genaue Beginn der Residency für deutsche Einkünfte und Vermögensvorgänge im Zuzugsjahr besonders wichtig.
Kann das gesamte Kalenderjahr trotzdem als Resident-Jahr behandelt werden?
Unter bestimmten Voraussetzungen können Ehegatten eine davon getrennte steuerliche Wahl treffen. Wenn eine Person zu Beginn des Steuerjahres Nonresident Alien und am Jahresende US-Resident ist und am Jahresende mit einem US-Citizen oder Resident verheiratet ist, kann insbesondere eine Ganzjahreswahl nach § 6013(h) IRC in Betracht kommen.
Wird diese Wahl wirksam getroffen, wird die betreffende Person für Zwecke der US-Einkommensteuer grundsätzlich für das gesamte Steuerjahr als Resident behandelt. Dadurch kann eine gemeinsame US-Einkommensteuererklärung möglich werden.
Gleichzeitig erweitert sich damit grundsätzlich der Zeitraum, für den das weltweite Einkommen in die US-Einkommensteuerbetrachtung gelangt.
Die Ganzjahreswahl verändert die einkommensteuerliche Behandlung des Jahres. Sie ist nicht dasselbe wie die Residency Starting Date und bedeutet nicht automatisch, dass jede eigenständige US-Meldepflicht denselben Zeitraum verwendet.
Deshalb sollte die Frage „Ist Married Filing Jointly günstiger?“ nicht isoliert beantwortet werden. Vor der Entscheidung muss bekannt sein, welche deutschen Einkünfte und wesentlichen Vorgänge seit Jahresbeginn stattgefunden haben.
Warum ist die Residency Starting Date für deutsche Vorgänge wichtig?
Mit Beginn Ihrer US-Steueransässigkeit unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Einkommensteuer. Dadurch können deutsche Einkünfte und Transaktionen steuerlich eine neue Bedeutung bekommen.
Der genaue Starttag kann beispielsweise darüber entscheiden, ob eine deutsche Ausschüttung, Mieteinnahmen oder ein Veräußerungsvorgang in die Resident-Phase oder in die Zeit davor fällt.
Auch bei deutschen Konten, Depots, Beteiligungen und anderen Vermögenswerten können mit der US-Steueransässigkeit zusätzliche Fragen entstehen. Welche konkrete Meldepflicht greift und welcher Zeitraum dafür maßgeblich ist, muss jeweils nach der betreffenden Vorschrift geprüft werden.
Was sollten Sie für Ihr erstes Green-Card-Jahr festhalten?
Für die erste US-Steuererklärung sollte nicht nur das Datum der Green Card dokumentiert sein. Benötigt wird ein zeitliches Gesamtbild des Zuzugsjahres.
Dazu gehören insbesondere das Datum, an dem Sie Lawful Permanent Resident wurden, Ihre tatsächlichen US-Aufenthalte im betreffenden Kalenderjahr und die wesentlichen deutschen Einkünfte und Vermögensvorgänge vor und nach der möglichen Residency Starting Date.
Erst danach lässt sich sauber beurteilen, ob das Jahr zunächst als Dual-Status-Jahr zu behandeln ist und ob eine davon abweichende Ganzjahreswahl überhaupt geprüft werden sollte.
Die entscheidende Frage für das erste Green-Card-Jahr lautet deshalb nicht nur: „Wann habe ich meine Green Card bekommen?“ Sondern: „Ab welchem Tag behandelt mich das US-Steuerrecht als Resident – und was ist in diesem Kalenderjahr davor bereits passiert?“