Wegzug in die USA

Wann beginnt meine US-Steuerpflicht mit Green Card?

Auf einen Blick

Die Green Card hat eigenständige Bedeutung für die amerikanische Steueransässigkeit. Der steuerliche Beginn ist von der bloßen Planung des Umzugs zu unterscheiden. Ab diesem Zeitpunkt können deutsche Einkünfte und Vermögenswerte in die amerikanische Betrachtung gelangen. Der konkrete Beginn und mögliche Besonderheiten im Übergangsjahr hängen von den tatsächlichen Verhältnissen ab.

Mit einer Green Card erfüllen Sie grundsätzlich den Green Card Test nach IRC § 7701(b) und gelten für die US-Bundeseinkommensteuer als Resident Alien. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Sie bereits ab dem 1. Januar des betreffenden Jahres als US-Resident behandelt werden.

Green Card Test und Residency Starting Date sind nicht dasselbe

Der Green Card Test beantwortet zunächst Ihren steuerlichen Status. Wenn Sie während des Kalenderjahres Lawful Permanent Resident der USA sind, erfüllen Sie grundsätzlich diesen Test.

Im ersten Jahr der US-Residency muss anschließend bestimmt werden, ab welchem Tag Sie innerhalb dieses Kalenderjahres als Resident behandelt werden. Waren Sie im Vorjahr noch kein US-Resident, beginnt die US-Besteuerung deshalb nicht allein aufgrund der Green Card automatisch rückwirkend am 1. Januar.

Wann beginnt die Residency bei einer im Ausland erhaltenen Green Card?

Wenn Sie Ihre Green Card beziehungsweise Ihren Permanent-Resident-Status im Rahmen des Verfahrens außerhalb der USA erhalten, ist für die steuerliche Residency Starting Date grundsätzlich der erste Tag Ihrer anschließenden physischen Anwesenheit in den USA maßgeblich.

Damit kann im Zuzugsjahr zunächst ein Kalenderjahr entstehen, in dem Sie einen Teil des Jahres Nonresident Alien und den späteren Teil Resident Alien sind.

Was gilt bei einer Green Card innerhalb der USA?

Wird der Lawful-Permanent-Resident-Status während eines Aufenthalts in den USA erlangt, beginnt die Residency nach der Green-Card-Regel grundsätzlich mit dem ersten Tag, an dem Sie sich in den USA als Lawful Permanent Resident befinden.

Auch hier muss aber geprüft werden, ob nicht bereits eine andere Residency-Regel zu einem früheren Beginn geführt hat.

Kann die US-Steuerpflicht schon vor der Green Card begonnen haben?

Ja. Green Card Test und Substantial Presence Test können im selben Kalenderjahr nebeneinander relevant sein.

Erfüllen Sie in diesem Jahr beide Tests, ist für die Residency Starting Date grundsätzlich das frühere der beiden maßgeblichen Daten entscheidend:

  • die Residency Starting Date nach dem Substantial Presence Test oder
  • der erste Tag, an dem Sie sich als Lawful Permanent Resident in den USA befinden.

Deshalb reicht es auch bei einem Green-Card-Zuzug nicht immer aus, nur das Datum der Green Card beziehungsweise der Einreise zu kennen. Frühere US-Aufenthalte im selben Jahr können steuerlich relevant sein.

Ist das erste Green-Card-Jahr automatisch ein volles US-Steuerjahr?

Nein. Wird jemand erst während des Kalenderjahres US-Resident, kann zunächst ein Dual-Status-Jahr entstehen.

Sie sind dann im selben Kalenderjahr für einen Zeitraum Nonresident Alien und für den späteren Zeitraum Resident Alien. Für diese beiden Zeiträume gelten unterschiedliche US-Einkommensteuerregeln.

Während der Resident-Phase unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Bundeseinkommensteuer. Deshalb ist der genaue Beginn der Residency für deutsche Einkünfte und Vermögensvorgänge im Zuzugsjahr besonders wichtig.

Kann das gesamte Kalenderjahr trotzdem als Resident-Jahr behandelt werden?

Unter bestimmten Voraussetzungen können Ehegatten eine davon getrennte steuerliche Wahl treffen. Wenn eine Person zu Beginn des Steuerjahres Nonresident Alien und am Jahresende US-Resident ist und am Jahresende mit einem US-Citizen oder Resident verheiratet ist, kann insbesondere eine Ganzjahreswahl nach § 6013(h) IRC in Betracht kommen.

Wird diese Wahl wirksam getroffen, wird die betreffende Person für Zwecke der US-Einkommensteuer grundsätzlich für das gesamte Steuerjahr als Resident behandelt. Dadurch kann eine gemeinsame US-Einkommensteuererklärung möglich werden.

Gleichzeitig erweitert sich damit grundsätzlich der Zeitraum, für den das weltweite Einkommen in die US-Einkommensteuerbetrachtung gelangt.

Deshalb sollte die Frage „Ist Married Filing Jointly günstiger?“ nicht isoliert beantwortet werden. Vor der Entscheidung muss bekannt sein, welche deutschen Einkünfte und wesentlichen Vorgänge seit Jahresbeginn stattgefunden haben.

Warum ist die Residency Starting Date für deutsche Vorgänge wichtig?

Mit Beginn Ihrer US-Steueransässigkeit unterliegt grundsätzlich Ihr weltweites Einkommen der US-Einkommensteuer. Dadurch können deutsche Einkünfte und Transaktionen steuerlich eine neue Bedeutung bekommen.

Der genaue Starttag kann beispielsweise darüber entscheiden, ob eine deutsche Ausschüttung, Mieteinnahmen oder ein Veräußerungsvorgang in die Resident-Phase oder in die Zeit davor fällt.

Auch bei deutschen Konten, Depots, Beteiligungen und anderen Vermögenswerten können mit der US-Steueransässigkeit zusätzliche Fragen entstehen. Welche konkrete Meldepflicht greift und welcher Zeitraum dafür maßgeblich ist, muss jeweils nach der betreffenden Vorschrift geprüft werden.

Einzelfallhinweis

Die Behandlung des ersten US-Steuerjahrs hängt vom konkreten Sachverhalt ab.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung. Die Behandlung hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

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Markus Mehlig

Über den Autor

Markus Mehlig

Rechtsanwalt (Deutschland) · PTIN-registriert beim IRS (USA)

Er berät zu Steuerfragen zwischen Deutschland und den USA, insbesondere zum Beginn der US-Steuerpflicht und zu deutschen Vermögenswerten.